VVS-Bilanz: Nachfrage steigt weiter

Die Geschäftsführer Horst Stammler (l.) und Thomas Hachenberger stellten die VVS-Bilanz vor; Foto: VVS

Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und die Verkehrsunternehmen in der Region Stuttgart können nach drei Jahren Pandemie wieder mit etwas mehr Optimismus in die Zukunft schauen.

Dazu haben vor allem die Entwicklung der Fahrgastzahlen im zurückliegenden Jahr und die zuletzt wieder gestiegenen Abschlüsse von Aboverträgen beigetragen. Während das erste Quartal 2022 noch stark von Einschränkungen durch die Pandemie geprägt war, sorgten die Lockerungen im zweiten Quartal und die Rückkehr größerer Veranstaltungen für ein deutliches Wachstum im Vergleich zum Vorjahr. Von Juni bis August war das 9-Euro-Ticket ein Absatzschlager. Diese Sondersituation sorgte dafür, dass die Fahrgastzahlen spürbar gewachsen sind und in diesen Monaten sogar wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht haben. Ab September setzte sich der Aufwärtstrend des Frühjahrs fort und sorgte für weiteren verhaltenen Optimismus. Große Sorgen bereiten dem VVS aber die explodierenden Kosten im Nahverkehr. Die stark gestiegenen Energiepreise belasten die Verkehrsunternehmen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Die von der Bundesregierung eingeführte Strompreisebremse dürfte zu Entlastungen im Schienenverkehr führen.

Insgesamt sind 2022 rund 341 Mio Fahrten im VVS unternommen worden. Das sind rund 80 Mio Fahrten (+30,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zum letzten Jahr vor der Pandemie, dem Jahr 2019, sind das aber immer noch rund 13 Prozent weniger Fahrten. Durch die Aufhebung von Beschränkungen und die zurückkehrenden Veranstaltungen sowie das 9-Euro-Ticket im Sommer haben die Fahrgastzahlen im Gelegenheitsverkehr 2022 um 42 Mio Fahrten zugelegt. Das ist eine Steigerung um 116 Prozent gegenüber 2021. Sogar im Vergleich zu 2019 ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Das Plus von 30 Prozent liege aber vor allem daran, dass die 9-Euro-Ticket-Verkäufe statistisch überwiegend dem Bereich Gelegenheitsverkehr zugeordnet sind. Die Fahrgäste waren vor allem im Freizeitverkehr unterwegs, oft am Wochenende.

Im Berufsverkehr ist die Zahl der Fahrten verglichen mit dem Vorjahr leicht gestiegen. Das Plus von rund 6 Mio Fahrten entspricht einer Steigerung von 6,4 Prozent. Nimmt man 2019 als Basis, liegt das Minus immer noch bei knapp 29 Prozent. Der starke Rückgang hat auch statistische Gründe, da das 9-Euro-Ticket wie bereits erwähnt dem Gelegenheitsverkehr zugerechnet wurde. Der Fahrschein hat dafür gesorgt, dass im Juni, Juli und August keine klassischen Wochen- und Monatstickets verkauft wurden. Schulen und Universtäten waren 2022 wieder durchgehend im Präsenzunterricht, sodass Studierende, Schüler und Auszubildende die Bahnen und Busse häufiger nutzten. Im Vergleich zu 2021 sind die Fahrgastzahlen im Ausbildungsverkehr um 22,6 Prozent gestiegen. Gegenüber 2019 liegen sie jedoch immer noch um gut 14 Prozent niedriger.

Der VVS hat im vergangenen Jahr 372 Mio Euro von den Fahrgästen eingenommen. Trotz höherer Passagierzahlen war dies ein Rückgang um gut 11 Mio Euro, der dem 9-Euro- Ticket zuzuschreiben sei. Vergleicht man die aktuellen Zahlen mit dem bisherigen Rekordjahr 2019, sind die Einnahmen um rund 139 Mio Euro oder 27 Prozent zurückgegangen – und das bei laut VVS deutlich gestiegenen Kosten. Dass das Angebot trotzdem aufrechterhalten werden konnte, sei dem Rettungsschirm zu verdanken, den Bund und Länder auch 2022 für die ÖPNV-Unternehmen aufgespannt hatten. (mab)

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