Verhandlungsverfahren in Berlin – oder doch nicht?
Angeblich hat sich die rot-rot-grüne Koalition in Berlin am 20. Juli darauf geeinigt, die S-Bahn-Teilnetze "Nord-Süd" und "Ringbahn" über ein Verhandlungsverfahren zu vergeben, ohne Ausschreibung. Der förmliche Beschluss durch den Senat soll Mitte September erfolgen. Bei den Grünen (die für das Verkehrsressort verantwortlich zeichnen) regt sich aber deutliche Kritik. Nun stellt sich Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) öffentlich vor das von ihm favorisierte Verhandlungsverfahren.
Gegenüber der "Berliner Zeitung" verwies der Politiker auf die guten Erfahrungen des Hamburger Senates mit der S-Bahn-Vergabe 2012/13. "Dort konnte eine rund 15-prozentige Preisreduktion erreicht werden", sagte er. Dieses Resultat sei "anderen Vergabeverfahren im Schienenverkehr ebenbürtig".
Wie zuvor Hamburg werde sich auch Berlin der DB nicht ausliefern, sondern mit einer Alternative in das Verhandlungsverfahren gehen. Plan B sieht demnach vor, notfalls eine landeseigene S-Bahn-Flotte aufzubauen und an einen Betreiber zu verpachten. Das Land habe dafür bereits 113 Mio. EUR reserviert, weitere 15 Mio. EUR für die Erstellung eines Lastenhefts und die Gründung eines EVU, schreibt das Blatt. Von grüner Seite werde dagegen weiter ein Fahrzeugdienstleistungsmodell favorisiert, wie es von KCW dem Senat empfohlen worden sein soll. Baden-Württemberg habe auf diese Weise in den "Stuttgarter Netzen" nicht nur 15 %, sondern fast 50 % gespart.
Angeblich halten SPD und Linke ein solches Verfahren für das komplexe S-Bahn-System jedoch für zu kompliziert. Sie führen neue Schnittstellen und die Betriebssicherheit ins Feld. Ähnlich argumentiert die EVG: Ein stabiler Fahrplan und eine bessere Anbindung des Umlandes werde "sicher nicht erreicht, wenn zwischen Infrastruktur, Betrieb und Instandhaltung zusätzlich künstliche Schnittstellen geschaffen werden", argumentiert die Bahngewerkschaft.
Nach Informationen der "Berliner Morgenpost" haben neben der DB auch Abellio, Go-Ahead und Transdev ihr Teilnahmeinteresse bekundet, ebenso die Fahrzeughersteller Bombardier, Siemens und Stadler. Spätestens im April 2019 soll demnach das Vergabeverfahren für die S-Bahn starten. (msa/NaNa Brief)