Tram wird zu mobiler Messstation

Auf dem Dach einer Straßenbahn mit dem AirTrack (v. l.): Klaus Röder, Leiter Fahrzeuge der swa, Jürgen Perlich, Leiter der swa- Straßenbahnwerkstatt, und Prof. Dr. Michael Bittner, Universität Augsburg und DLR, Professor für Atmosphärenphysik; Foto: Stadtwerke Augsburg
Wie sauber ist die Luft in unseren Straßen? Mit dem Forschungsprojekt AirTrack Tram misst Augsburg die Luftqualität künftig dort, wo Menschen leben und unterwegs sind. Forschende der Universität Augsburg haben gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und den Stadtwerken Augsburg (swa) eine Straßenbahn zur mobilen Umweltmessstation aufgerüstet. Seit Jahresbeginn ist die erste AirTrack Tram im Linienbetrieb unterwegs und legt die Grundlage, um die Luftqualität vor Ort zu verbessern.
An Bord der Straßenbahn sind Sensoren installiert, die Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid oder Feinstaub und meteorologische Parameter wie Temperatur oder Luftdruck erfassen. Die Messungen erfolgen kontinuierlich, automatisch und entlang der gesamten Strecke. „Die Kombination aus mobilen Messungen und Satellitendaten eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Stadtklimatologie und Umweltforschung. Besonders im Hinblick auf Hitzebelastung und Luftschadstoffe liefert AirTrack Erkenntnisse, die bisher so nicht verfügbar waren”, erläutert der Atmosphärenforscher Prof. Dr. Michael Bittner der Universität Augsburg und beim DLR.
Die regelmäßigen, räumlich detaillierten Messungen der Luftqualität und der städtischen Wetterdaten helfen, Luftqualitäts-Hotspots und städtische Wärmeinseln zu erkennen. Die gewonnenen Daten unterstützen künftig unter anderem die Stadtplanung, die Verkehrsführung sowie Gesundheits- und Umweltbehörden, die Entscheidungen treffen müssen.
Die Europäische Union überwacht die Luftqualität mit den Sentinel-4- und -5-Satelliten. Diese liefern Messdaten, können jedoch die Luftsituation in Bodennähe nur begrenzt auflösen. Die AirTrack Tram ergänzt diese Beobachtungen um hochaufgelöste Messungen im Stadtgebiet und verbessert so die Interpretation der Satellitendaten. Häuser, Mauern und Straßenzüge bestimmen maßgeblich die Luftbewegungen oder gar Stauräume in der Stadt. AirTrack soll dazu beitragen, solche Strömungssysteme besser zu vermessen.
„Unsere Straßenbahnen fahren jeden Tag durch die Stadt – ein idealer Träger für innovative Forschung. Wir freuen uns, mit AirTrack zu zeigen, wie ÖPNV und Wissenschaft zusammen neue Impulse für Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Augsburg setzen können”, freut sich Jürgen Perlich, Leiter Straßenbahnwerkstätten und Fahrzeugtechnik bei den swa. Die nun ausgerüstete Straßenbahn wird auf täglich wechselnden Linienrouten eingesetzt. Sollte sich das System bewähren, könnten künftig weitere Bahnen mit Sensorik ausgestattet werden. Augsburg würde damit zu einer der ersten Städte in Deutschland mit einer nahezu flächendeckenden mobilen Erfassung von Luftqualität im Echtbetrieb. (mab)