Sicherheit: Gedanken an Job-Aufgabe

Auch die Fahrgastperspektive war auf der Konferenz vertreten: Ramona Sahlmann (2. v. l.) vom Kundenbeirat der Berliner S-Bahn und Katharina Krell (3. v. l.), Vize-Bundesvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, – gemeinsam auf dem Podium mit Kawaljeet Singh (2. v. r.), Fahrausweisprüfer der Leipziger Servicebetriebe, und André Collin, zentraler Security-Beauftragter bei DB Regio. Moderator war DVV-Media-Verlagsleiter Manuel Bosch (l.)

„Wie viel ist uns Sicherheit Wert?“ – insbesondere in einer Branche, die keine Spitzengewinne erwirtschaftet. Diese Frage warf Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), bei der in Berlin jüngst zu Ende gegangenen 2. ÖPNV-Sicherheitskonferenz von NaNa und VDV auf.

Ziel sei ein Nahverkehr, „eine freie Mobilität ohne Angst vor Fahrten, ohne Angst vor bestimmten Stationen oder auch – wenn wir die Mitarbeitenden-Perspektive einnehmen – ohne Angst vor dem nächsten Dienst“, betonte Wortmann.

Die Sicht des Personals nahm auf dem Podium Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), ein. Er berichtete von derzeit fünf bis acht Übergriffen pro Tag in Zügen. Die Beschäftigten dächten teils darüber nach, ihren Job aufzugeben. „Die ersten haben das auch getan“, berichtete Burkert. Er forderte eine „zeitgemäße“ Personalausstattung: einen vollständigen Ausgleich für die unerwartete Trassenpreisbelastung, eine höhere jährliche Dynamisierung der Regionalisierungsmittel von mindestens fünf Prozent und zusätzliche Mittel für mehr Zugbegleitpersonal. Konkret müsse die Doppelbesetzung in den Ausschreibungen Pflicht werden.

Diskutiert wurde in Berlin auch die Frage, ob mit den Forderungen nach mehr Sicherheitspersonal nicht zu sehr auf Quantität gesetzt werde. André Collin, zentraler Security-Beauftragter der DB Regio, stimmte zu, dass es Mindestqualifizierung brauche. „Allerdings nicht zu schnell.“ Die Ziele dabei dürften nicht so hochgesteckt sein, „dass wir plötzlich 20 bis 30 Prozent der laufenden Personale verlieren“. Das treibe zudem die Preise nach oben.

Besonders gefordert wird derzeit die Ergänzung der Bodycam-Funktionen um Tonmitschnitte. Collin verwies darauf, dass § 201 StGB die Vertraulichkeit des gesprochenen Worts schütze. Es gelte, sorgsam zu pilotieren und das Personal nicht in die Situation zu bringen, aufgrund einer Tonaufzeichnung angezeigt zu werden.

Über ein Projekt zum KI-gestützten Video-Schutz in Berlin berichtete Roman Seifert, Leiter der dortigen Landespolizeidirektion. Das noch getestete System sei künftig in der Lage, nur bei echten Notlagen den Bildschirm für die Dienstkraft aufzuschalten.

Im Bereich Infrastruktur, betonte VDV-Geschäftsführer Alexander Möller, gelte es, Fälle wie die großen Blackouts in Spanien und Portugal 2025 zu vermeiden. Es werde auch einen Schutz vor Drohnen für neuralgische Punkte wie U-Bahnhöfe geben müssen. Möller begrüßte das Inkrafttreten des Kritis-Dachgesetzes im März 2026. Die Themen Cyber-Angriffe und KI-Risiken griff zudem die Beraterin im Bereich Krisenbewältigung, Susanne Kufeld, auf. Sie mahnte unter anderem ein aktives Business Continuity Management für Störfälle an. (dhe)

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