S-Bahn Hannover: Transdev in der Kritik

Großer Gegensatz: Statt moderner Züge verkehrt auf der Linie S 3 zwischen Hannover

und Hildesheim über Lehrte auch ein Ersatzzug aus ehemaligen DB-Nahverkehrswagen: Foto: Achim Uhlenhut

Im Dezember 2021 übernahm das Transdev-Unternehmen S-Bahn Hannover (SBH) die ersten drei Strecken von DB Regio, im Juni 2022 das gesamte Netz. Seither reißt die Kritik am Betrieb des hannoverschen S-Bahn-Netzes nicht ab. Nun droht wohl eine Strafzahlung.

Öffentlich teilweise heftig kritisiert werden häufige Fahrtausfälle, sehr oft zu kurze Züge – nur eine statt versprochener bis zu drei Einheiten – sowie mangelhafte Fahrgastinformation. Viele Züge fahren ohne Linien- und Zielangabe. Auf einer Strecke verkehren wegen Fahrzeugmangel Ersatzzüge. Nach Ansicht der bei der Vergabe federführenden Region Hannover sind die Zustände nicht länger hinnehmbar. Anfangs zeigte man sich dort noch nachsichtig angesichts der bei Betreiberwechseln üblichen Probleme, zuletzt behielt man sich aber bereits Reaktionen auf die nicht zufriedenstellenden Leistungen vor.

Transdev wiederum hat eine Klage angekündigt, da die Betriebskosten zu hoch sein und die im Ausschreibungsverfahren angebotene Summe deutlich erhöht werden müsse. Im Gespräch ist eine Lücke in Höhe von jährlich 1,6 Mio Euro, deren Deckung Transdev einklagen will. Am 13. September 2022 musste aber zunächst die SBH-Geschäftsführung vor dem Regions- Verkehrsausschuss berichten. Laut Medienberichten soll nun eine Strafzahlung in Höhe von 3,9 Mio Euro im Raum stehen. Ein Sprecher der Region Hannover habe sich zur Höhe der Strafzahlung nicht äußern wollen, das Thema sei aber im vertraulichen Teil des Verkehrsausschusses verhandelt worden. Gänzlich ausgefallene Leistungen bezahle die Region nicht – und auch keine schlechten Leistungen.

Neben den häufigen Personalausfällen als Grund für fehlende Zugfahrten wird auch der zu geringe Fahrzeugbestand angeführt. Mehrfach mussten Fahrgäste zurückbleiben oder Züge geräumt werden. Von den 64 fabrikneuen Flirt 3XL stehen derzeit nur rund 50 zur Verfügung. Die aus dem vorherigen Bestand zu übernehmenden 13 ET 425 – sie sollen modernisiert und angepasst werden – sind noch gar nicht bereit.

Ein Problem ist auch, dass keine Werkstatt im Netz zur Verfügung steht, derzeit werden die Züge zur Wartung über Fernstrecken nach Herne gefahren. Die SBH-Werkstatt bei den Osthannoverschen Eisenbahnen in Celle wird im Sommer oder sogar erst Ende 2023 betriebsbereit sein. Sie liegt dann zwar deutlich näher als Herne, aber keineswegs zentral im Netz. Zur Linderung des Fahrzeugengpasses sind auf der Linie S 3 derzeit ein angemieteter Wagenzug aus Ex-„Silberlingen“ und Coradia Continental des Transdev- Unternehmens Mitteldeutsche Regiobahn im Einsatz, voraussichtlich bis Mitte Dezember 2022. (ht./mab)

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