„Perspektivisch wettbewerbsfähig“

Die Verantwortlichen der ÖPNV-Übernahme standen Rede und Antwort (v. l.): Jens Böther, Landrat Landkreis Lüneburg, Rainer Müller, Kreisrat Landkreis Lüneburg, Nikolas Wenzel, Geschäftsführer MOIN, und Mareike Harlfinger-Düpow, Fachdienstleiterin Mobilität Landkreis Lüneburg; Foto: Dominik Heuel
„Natürlich birgt so ein Projekt Risiken, auch im Verlauf“, betonte Jens Böther, Landrat im Landkreis Lüneburg, in einem eigens anberaumten Pressegespräch. Er verwies darauf, dass „Vergaben auch angezweifelt und beklagt werden“ können. Er spielte damit auf die mit Lüneburgs Kommunalisierung verbundenen Subvergaben an, die Zeit gekostet haben. MOIN selbst hat derzeit 36 Busse im Einsatz. 200 sind es mit den Partnern, zehn davon elektrisch, wobei weitere 18 E-Busse 2026 dazu kommen sollen.
Die Vergabe an die Partner hatte sich bis September 2025 gezogen, sodass sich das Fenster vor allem für die übergangsweise Gebrauchtbusbeschaffung verkürzte. „Letztlich haben wir es geschafft in einem Kraftakt“, betonte Böther. Er sieht bei allen Startschwierigkeiten die Kernaufgaben erfüllt: „Unser Ziel war es, nicht mit einem Notfahrplan zu starten, sondern mit einem Komplettpaket.“ Alle Linien seien nun, anders als früher, im 20-Minuten-Takt unterwegs. Zudem steht ein Nachtbusverkehr mit drei Linien bereit, ebenso das On-Demand-Angebot „HVV Hop Lüneburg“.
Die Mängelliste der ersten Tage ist allerdings lang. Den Start des Prepaid-Zahlens etwa verhagelte nicht nur ein Systemproblem im HVV. Diese Hürden seien inzwischen ausgeräumt. Großteils nicht in Betrieb sind nach wie vor die Anzeigesysteme. MOIN-Geschäftsführer Nikolas Wenzel sieht darin auch ein Personalrisiko: „Jeder einzelne Fahrgast beschwert sich.“ Das mache den Fahrdienst „zu einem Job, den niemand gerne lange macht“. Dies wie auch die fehlende Echtzeitdatenlieferung hofft man aber kurzfristig zu beheben.
Mit einer Breitseite erwischt wurde MOIN zudem vom jüngsten Wintereinbruch. Ein Bus ging durch Glatteis verloren. Insgesamt berichtete Wenzel mit allen Partnerunternehmen von rund 30 solcher Fälle. Bei weiteren „zahlreichen technischen Störungen“ setzt er vor allem auf Besserung durch die Neufahrzeuge. Dann erst wird sich auch der Mix aus Farben durch die Übergangsbusse im Bediengebiet auflösen. Die Partnerbetriebe hätten die Zusage erhalten, rund 90 Fahrzeuge zwischen März und Mai zu erhalten. Ein großer Teil der Verkehre werde dann einheitlich in den gelben MOINFarben und mit Neufahrzeugen laufen.
Lüneburg hofft, durch den Eigenbetrieb sein Angebot an der Haltestelle nun besser auf die Nutzer zuschneiden zu können. Die Fahrzeuge sollen AFZS erhalten. „Wir können dann unmittelbar selbst mit der Gesellschaft beeinflussen, an welcher Stelle wir einen Bus heraus- oder hineinnehmen“, lautet Böthers Einschätzung. Er betonte: „Ich glaube, dass wir durch die direkten Steuerungsmöglichkeiten und eine Gewinnmarge, die wir nicht berücksichtigen müssen, da wir nicht gewinnorientiert fahren, perspektivisch wettbewerbsfähig sind. (dhe)