Personalgewinnung: NRW unterstützt

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (l.) beim Besuch des ersten Ausbildungslehrgangs. Foto: MUNV

Die branchenweite Ausbildung im Nahverkehr auf der Schiene wird in Nordrhein-Westfalen nun bei einer zentralen Organisation gebündelt: Die VDV Academy & Training GmbH koordiniert unternehmensübergreifend die Qualifizierung neuer Fachkräfte im Regionalverkehr.

Damit stellt das Land NRW nach eigenen Worten die Weichen für die Fachkräftesicherung der Zukunft. Dieser Weg könne auch bundesweit Vorbild sein. Das Verkehrsministerium unterstützt die neue Struktur mit einer Anschubfinanzierung bis 2028 in Höhe von rund 3 Millionen Euro, anschließend soll die Akademie als Tochtergesellschaft des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen von der Branche finanziert werden. Bis zu zwölf Qualifizierungskurse mit rund 150 Teilnehmenden sollen in diesem Jahr starten. Landesverkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) besuchte den ersten Ausbildungslehrgang in Gummersbach auf dem Übungsgelände des Bildungsträgers LokSpace: „Wir müssen langfristig genug Fachkräfte für die Schiene gewinnen. Mit dieser bundesweit einmaligen Organisation für Ausbildung schaffen wir die Grundlage dafür.“

Derzeit hat sich die Lage in der Branche etwas entspannt, heißt es vom NRW-Verkehrsministerium. Durch das Aktionsprogramm des Landes im vergangenen Jahr und verstärkte Ausbildungsbemühungen der Branche haben 2025 rund 700 zusätzliche Lokführerinnen und Lokführer eine Ausbildung begonnen. Die Quote der personalbedingten monatlichen Ausfälle im Regional- und Nahverkehr konnte so auf weniger als ein Prozent gesenkt werden. Die Gewinnung von Fachkräften bleibt aber eine Herausforderung, die das Land „im Auge hat und gezielt unterstützt“. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Lokführerinnen und Lokführer in den Ruhestand gehen. Ziel ist es, mehr Quereinsteiger und mehr Frauen für den Beruf zu gewinnen. Bisher sind Lokführerinnen mit einem Anteil von sieben Prozent deutlich unterrepräsentiert. Um das zu ändern, wurde in diesem Jahr bereits das Projekt „Frauen in den Führerstand“ mit Mitarbeitenden aus sieben Eisenbahnverkehrsunternehmen und vier Bildungsträgern gestartet, um die Rahmenbedingungen für Lokführerinnen weiter zu verbessern und so mehr Frauen für diesen Beruf zu gewinnen.

Die VDV Academy & Training wird mit den Bildungsträgern die Ausbildung weiterentwickeln. Dazu gehören neben den Schulungen für Lokführerinnen und Lokführer auch Kurse für Fahrpersonal sowie Mitarbeitende in Werkstätten und Leitstellen. Joachim Künzel, Geschäftsführer der VDV Academy & Training GmbH, erklärt: „Wir bündeln die Kräfte der Branche, setzen einheitliche Standards und schaffen Kapazitäten. So können wir mehr Fachkräfte qualifizieren und den Bahnverkehr in NRW langfristig stärken“. Der Austausch von Stakeholdern des Nahverkehrs auf der Schiene mit Arbeitsagenturen, Jobcentern, Bildungsträgern und Transfergesellschaften und weiteren Beteiligten wird fortgeführt, die Aus- und Weiterbildung an die Bedürfnisse der Branche angepasst, beschleunigt und verstetigt. Die Erklärung dafür gibt Anne Mathieu, Geschäftsführerin der Eurobahn,: „Die unternehmensübergreifende Ausbildung ist und bleibt eine Daueraufgabe. Nur so schaffen wir ein solides Fundament für eine funktionierende, zukunftsfeste Mobilität in Nordrhein-Westfalen.“ Sie leitet das Kooperationsprojekt „Fokus Bahn“ mit Christiane Auffermann vom Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), die das Ziel so formuliert: „Wer morgen pünktliche und verlässliche Züge will, muss heute konsequent ausbilden.“ (mab)

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