Naumburger Tram in Bedrängnis

Unmittelbar vor dem Naumburger Hauptbahnhof wartet die Straßenbahn zur Fahrt ins Zentrum der Domstadt; Foto: Frank Barteld

Die Naumburger Straßenbahn konnte in den vergangenen Jahren trotz stets knapper Ressourcen ihre Leistungen im ÖV-Netz der Stadt sowie des Burgenlandkreises beständig erbringen und den Bekanntheitsgrad insbesondere durch das Deutschlandticket mehren.

Längst gilt der tägliche Fahrbetrieb mit den historischen Gotha-Triebwagen als touristisches Kleinod – für viele Gäste auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Altstadt mit dem Welterbe- Dom beziehungsweise auf nostalgischer Chartertour. Das D-Ticket erweist sich, wie anderenorts auch, als Segen und Fluch zugleich. Im Vorjahr zählte man 300.000 Fahrgäste: ein Plus von 25 Prozent. Jedoch gibt es finanzielle Schwierigkeiten, wie Geschäftsführer Andreas Plehn, selbst als Fahrer tätig, gegenüber dem „MDR“ erklärte. Demnach fehlten Fahrgelderlöse, die man auf Dauer für einen stabilen Betrieb brauche. Eine Lösung sei in Sicht, wonach das kleine städtische GmbH-Unternehmen „mit zehn Mitarbeitern auf achteinhalb Stellen“ vom Burgenlandkreis eine Dienstleistungskonzession erhalten solle mit Bestellauftrag über 120.000 Euro für 2025. Das hatte der Kreistag im Dezember 2024 beschlossen, doch bislang blieb beides aus. Die Straßenbahner möchten freilich sicher planen können für das kommende Halbjahr sowie 2026. Schon derzeit leisten die Frauen und Männer einen Teil ihrer Arbeit ehrenamtlich, wie Plehn betont. Tag für Tag sind es mindestens 64 Fahrten auf der 2,8 km kurzen Strecke vom Hauptbahnhof zum Salztor. Die bei der „Wilden Zicke“, so der Kosename aus der Voll-Ringbahn-Zeit, Beschäftigten warten und reparieren auch die Trams, kontrollieren die Gleise, verkaufen Souvenirs und – nicht zuletzt – geben den Gästen gerne Auskünfte zur Domstadt.

Der Burgenlandkreis wollte laut „MDR“ eigentlich schon im vergangenen Jahr „bei dem Unternehmen einsteigen und Anteile kaufen, nur bei dem Preis konnte man sich nicht einigen – die Konzession ein Kompromiss, der auf sich warten lässt“. Landrat Götz Ulrich verweist auf die juristische Kompliziertheit, laufe doch die Vergabe ohne Ausschreibung, ein entsprechender Antragsentwurf solle bis August 2025 fertig sein, sodann wäre die entsprechende Gesetzesänderung im Land Sachsen-Anhalt nötig, die im September geschehen könne. Ob die Bahn bis dahin ihren täglichen Fahrplan aufrechterhalten kann, ist nicht sicher.

Zum Hintergrund: Den Mitgliedern des Vereins Nahverkehrsfreunde Naumburg-Jena e.V. ist es zu verdanken, dass die Tram nach ihrem vorläufigen Ende 1991 zu neuem Leben gebracht werden konnte. 1994 pachtete die Naumburger Straßenbahn GmbH die noch verbliebene Anlage; die Stadt Naumburg ließ 2,5 km der ehemaligen Ringstrecke betriebstüchtig herrichten. Seit März 2007 steht die Tram wieder im täglichen Linienbetrieb. Schritt für Schritt ist die Linie innerhalb von zehn Jahren wieder zur Halbring-Größe mit neun Haltestellen zwischen Hauptbahnhof und Salztor ausgebaut worden. Am Hauptbahnhof Naumburg (Saale) bestehen beste Zuganschlüsse auf den Hauptbahnachsen Richtung Leipzig/Halle, Erfurt–Eisenach und Saalfeld (Saale) sowie zu jeder Stunde ins Unstruttal nach Freyburg–Nebra–Wangen. Mit dem Stadtbus 101 und der Straßenbahn besteht ein 15-Minuten-Takt montags bis freitags in die Innenstadt. (frb)

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