Münchens Millionen-Sekunden
Seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember bietet die S-Bahn München ihren Fahrgästen in der Innenstadt einen neuen Service: Sie brauchen nicht mehr, wenn der Zug hält, den grünen Tür-Öffner-Knopf zu drücken, sondern alle Türen öffnen sich von selbst.
Hintergrund ist allerdings kein neuer Service, sondern die Suche nach Sekunden, um die sich die Haltezeit in den Stationen verkürzen ließe. Auf der Stammstrecke zwischen Pasing und dem Ostbahnhof, auf der die Züge im Zwei-Minuten-Abstand fahren, beträgt die Haltezeit am Bahnsteig rechnerisch nur 24 Sekunden. Jede Verzögerung wirkt sich unmittelbar auf den folgenden Zug aus, vielfach weit darüber hinaus auf das ganze System mit seinem eng getakteten Fahrplan.
„Jede Sekunde zählt“, ist deshalb eine ständige Herausforderung. Einen scheinbar geringen, in der Wirkung jedoch spürbaren Beitrag versprach die zentrale Türöffung, die sich die S-Bahn München schließlich fast 1 Mio Euro kosten ließ. Etwas erleichtert wurde die Investitionsentscheidung dadurch, dass etwa die Hälfte aus Strafzahlungen – den sogenannten Pönalen – finanziert wurde, die zuvor für Verspätungen an den Aufgabenträger, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), gezahlt werden mussten. Die gesparten Sekunden sollen nun als zeitlicher Puffer dienen, um Verspätungen durch zu langsames Ein- und Aussteigen der Fahrgäste zu vermindern. „In Zukunft werden wir also auch weniger Pönalen zu leisten haben“, gibt sich S-Bahn-Geschäftsleiter Bernhard Weisser zuversichtlich.
Voraussetzung war die nötige Zusatzausrüstung der 238 S-Bahnzüge, Baureihe 423, mit insgesamt 5712 Türen. Die zentrale Türöffung bleibt generell auf die Stammstrecke beschränkt, um nicht im Winter unnötig kalte, im Sommer warme Luft in die Wagen dringen zu lassen. Gleichwohl kann der Lokführer, etwa bei starkem Andrang im Schülerverkehr, die zentrale Türöffung auf jeder Station betätigen. (rrr/NaNa)