Mehr Bodycams und ein Aktionsplan

DB-Chefin Evelyn Palla hatte zu dem Sicherheitsgipfel nach Berlin eingeladen; DB AG/Oliver Lang
Die DB selbst will kurzfristig eine Reihe von Maßnahmen umsetzen. So bekommen 2026 alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nahverkehr, Fernverkehr und an den Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung gestellt. Die Nutzung soll freiwillig sein. Zudem setzt die Bahn 200 zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen ein und die persönliche Schutzausrüstung von DB-Mitarbeitenden wird verbessert. Hinzu kommen weiterreichende Verhaltens- und Deeskalationstrainings. Damit die DB-Beschäftigten im Ernstfall schneller Hilfe bekommen, wird ihr Hilferufknopf („Prio-Ruf“) weiter ausgerollt und auch weiterentwickelt. Die Bahn führt in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei auch regionale Sicherheitswerkstätten durch, um Sicherheitskonzepte vor Ort anzupassen. Bei DB Regio gilt bei der Ticketkontrolle das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung”. Ab dem 1. März 2026 liegt es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen muss. Die Bundespolizei will derweil ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewaltkriminalität auf dem Gebiet der Bahnanlagen des Bundes uneingeschränkt fortsetzen. Die Ordnungspartnerschaft zwischen DB und Bundespolizei soll fortentwickelt werden.
Der gemeinsame „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ wird zudem ergänzt: So soll die Videoüberwachung in Zügen und an Bahnhöfen ausgebaut und Nahverkehrszüge mit mehr Personal besetzt werden. Weiterer Punkt ist der Verzicht auf eine Ausweiskontrolle beim Deutschlandticket, um kritische Situationen zu verringern. Die Bundesländer wollen das Ticket dafür fälschungssicherer machen. Hinzukommen soll eine verstärkte und KI-unterstützte Auswertung von Video- und Audioaufzeichnungen zur Früherkennung. Vorgesehen ist darüber hinaus eine Stärkung des strafrechtlichen Schutzes von Mitarbeitenden, damit Angriffe auf sie besser geahndet werden können.
Um die identifizierten Maßnahmen auf den Weg zu bringen, wollen Bund, Länder, DB und Verkehrsbranche bis Ende April 2026 konkrete Schritte zur Umsetzung vereinbaren. Auch die Verkehrsministerkonferenz am 25. und 26. März 2026 will sich mit der Sicherheit im Nahverkehr befassen.
Konkrete Vorschläge
Ingo Wortmann, Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, erklärte zu dem Treffen: „Die Maßnahmen, die wir als Branche bislang ergriffen haben, reichen offenkundig nicht aus.“ Man müsse auch die Ursachen für die zunehmende Gewalt stärker in den Blick nehmen. Dazu seien nun „erste wichtige Impulse gegeben“ worden. Es sei ein kontinuierlicher Austausch der beteiligten Institutionen nötig, um vereinbarte Maßnahmen dauerhaft zu evaluieren und weiterzuentwickeln. Der VDV stehe bereit, seine fachliche Expertise in diesen Prozess einzubringen. Im Fachausschuss Security habe man bereits vor zwei Jahren eine Neupositionierung mit Maßnahmen zur Verbesserung der Situation angestoßen. Konkret schlägt der Verband etwa eine bundesweit einheitliche Aufbewahrungsfrist für Videoaufzeichnungen von bis zu 30 Tagen zur besseren Aufklärung von Vorfällen vor. Zudem soll es beim Erhalt des Straftatbestands beim Schwarzfahren bleiben, um Personal bei Fahrausweiskontrollen zu schützen und eine Rechtsdurchsetzung zu ermöglichen. Schwerpunktkontrollen würden regelmäßig zeigen, dass sich unter den kontrollierten Menschen ohne gültiges Ticket auch polizeilich gesuchte Täter befinden. Weiter regt der VDV einen erweiterten gesetzlichen Schutz für Fahr- und Kontrollpersonal sowie stärkere Sicherheitspartnerschaften mit Polizei, Justiz, Ordnungsbehörden und Sozialträgern an. Vorgeschlagen wird auch die gezielte Förderung sicherer Haltestellen. Sich der „schrecklichen Tat vor wenigen Tagen“ bewusst, stellt Wortmann auch fest: „Dafür brauchen wir klare gesetzliche und ordnungspolitische Rückendeckung – und in unserer Branche auch einen entsprechenden Finanz- und Vertragsrahmen.“
Darüber hinaus müsse ein Schwerpunkt von Bund, Ländern und Branche die digitale Prüfung und Kontrolle der D-Tickets sein. Mehr als 60 Prozent würden bereits als Barcode auf Smartphones ausgegeben. Dort sei die Integration eines Fotos weder möglich noch nötig, wenn der Barcode kopiergeschützt ist. Alle Prüfgeräte für Ticketkontrollen im deutschen ÖPNV seien seit dem 1. Januar 2026 in der Lage, einen Kopierschutz namens „Motics“, den die Branche selbst entwickelt hat, zu prüfen. Das VDV-Präsidium hat dazu und zu weiteren Maßnahmen in der dritten Februarwoche 2026 in einer Sondersitzung beraten. Das Thema „D-Ticket mit Lichtbild“ wird derweil auch allgemein in der Branche diskutiert. (mab)