D-Ticket-Evaluation ein „Ablenkungsmanöver”?

Die Nachfrage nach dem D-Ticket ist besonders in Metropolen hoch – im Bild der Berliner Hauptbahnhof. Foto: Jürgen Heinrich
Die Studie basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: „Die Studie zeigt: Das Deutschlandticket wirkt. Es entlastet Bürgerinnen und Bürger, stärkt den öffentlichen Verkehr und reduziert CO2-Emissionen.“ Derzeit nutzen laut Bericht rund 14,5 Mio Menschen das Angebot. Die Nachfrage ist besonders in Metropolen hoch, zugleich spiele das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Die Gutachter sehen zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Mio weiteren D-Tickets. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch „konsequentes Marketing” erschlossen werden. Trotz einer 2025 stagnierenden Nutzerbasis durch Preisdiskussionen wird eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt.
Damit verbunden sind positive Umweltwirkungen. Die Gutachter schätzen die CO2-Einsparung durch das Ticket auf rund 2,5 Mio Tonnen jährlich. Darüber hinaus zeigen erste Abschätzungen positive volkswirtschaftliche Effekte, die in der Summe über dem aktuellen Niveau der Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern liegen. Die Evaluation hebt zudem hervor, dass das D-Ticket die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Gleichzeitig wurde ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) reagiert kritisch auf die Auswertung. Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff: „Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver.“ Man habe zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Mio Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich dazu beitragen, dass weniger Diesel und Benzin verbraucht werden. Die Ergebnisse der Evaluation seien mehr als sechs Monate alt und „an entscheidender Stelle unzutreffend“. Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden stelle man in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr sei es so, dass aufgrund des wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert wird. Wolff: „Das ist widersinnig zum Gedanken des Deutschlandtickets. Ohne, dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreift, werden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben.“ (mab)