„Es geht um das Zusammenspiel des gesamten Systems“

Im Vorfeld des „Tomorrow.Mobility World Congress“ (TMWC) in Barcelona sprachen die NaNa Nahverkehrs-Nachrichten mit Judith O’Meara, Director of Innovation Hub Central bei EIT Urban Mobility. Bild: TMWC
NaNa: Eine Veranstaltung für „bessere urbane Mobilität“: Was verstehen Sie denn unter einer besseren Mobilität?
Judith O’Meara: Bei besserer Mobilität dreht sich für uns alles um die Menschen, die sie nutzen – und nicht nur um die Technologie dahinter. Wir verstehen darunter eine Mobilität, die sauberer, sicherer, barrierefreier und erschwinglicher ist. Eine Mobilität, die dazu beiträgt, dass Städte zu Orten werden, an denen Menschen wirklich gerne leben, sich fortbewegen und Zeit verbringen möchten. Es geht nicht um einen einzelnen Verkehrsmodus oder eine einzelne Innovation. Es geht um das Zusammenspiel des gesamten Systems: öffentlicher Nahverkehr, Sharing- und Elektromobilität, Zu-Fuß-Gehen und Radfahren sowie zunehmend autonome Lösungen, unterstützt durch gute Daten und eine intelligente Nutzung des öffentlichen Raums. Und es geht darum, Ideen in Ergebnisse umzusetzen. Viele dieser Lösungen existieren bereits – bessere Mobilität bedeutet also, dafür zu sorgen, dass sie tatsächlich in den Städten zum Einsatz kommen und das tägliche Leben der Menschen spürbar verbessern.
NaNa: Was sind die thematischen Schwerpunkte der diesjährigen Veranstaltung?
O’Meara: Das übergreifende Thema „Mobility Solutions, Real Impact“ spiegelt einen klaren Wandel von der Innovation zur Umsetzung und Skalierung wider. In diesem Rahmen umfasst das Programm die Themen „Mobility as a Service“ und Multimodalität, den öffentlichen Nahverkehr der nächsten Generation, Elektrifizierung und autonome Mobilität. Zudem werden sehr praxisnahe Themen wie Parkraumbewirtschaftung und Straßenrandmanagement, städtischer Raum und Last-Mile-Logistik behandelt. Daten und künstliche Intelligenz ziehen sich wie ein roter Faden durch viele dieser Diskussionen – von der Planung und Steuerung der Mobilität in Städten bis hin zu fundierteren Entscheidungsprozessen. Im Mittelpunkt stehen dabei stets die Herausforderungen, mit denen Städte heute konfrontiert sind, und die Frage, was erforderlich ist, um vielversprechende Lösungen in die breite Praxis umzusetzen.
NaNa: Wer kommt in Barcelona zusammen, um sich diesen Themen zu widmen?
O’Meara: Es ist eine sehr vielfältige Mischung, und genau das ist eine der wahren Stärken des Kongresses. Mit dabei sind Städte, nationale und europäische Entscheidungsträger, die Industrie, Start-ups, Forscher und Mobilitätsexperten – vom Generalsekretär für Innovation der spanischen Regierung bis zum Oberbürgermeister von Dublin sowie Stadt- und Regierungsvertreter aus Städten wie München, Stockholm, Lyon, Prag, Buenos Aires, Los Angeles und Istanbul. Aus Deutschland nimmt auch der Deutsche Städtetag teil und bringt die Perspektive deutscher Städte sowie einen direkten Draht zu den Verantwortlichen ein, die den Nahverkehr tagtäglich gestalten. Da der TMWC parallel zum Smart City Expo World Congress stattfindet, können die Besucher zudem Vorträge von hochkarätigen Stadtverantwortlichen wie den Bürgermeistern von Atlanta und Mailand hören. Die Veranstaltung bringt mehr als 5000 Teilnehmer, 200 Aussteller und 240 Referenten aus über 130 Ländern zusammen. Die Besucher können somit aus ganz unterschiedlichen Perspektiven lernen und neue Verbindungen innerhalb des gesamten Ökosystems knüpfen.
NaNa: Was hat sich seit der vorangegangenen Veranstaltung verändert, erkennen Sie Fortschritte?
O’Meara: Die Mobilität entwickelt sich rasant weiter und das Thema „autonome Mobilität” ist derzeit in aller Munde. Städte, Betreiber und die Öffentlichkeit fragen sich, wie sie sicher funktionieren, sich in das gesamte Verkehrssystem einfügen und den Menschen im Alltag zugutekommen kann. Doch die Diskussion geht weit über eine einzelne Technologie hinaus. Es gibt Bestrebungen, den täglichen Weg zur Arbeit für die Bürger zu verbessern, indem der öffentliche Nahverkehr zuverlässiger, erschwinglicher und benutzerfreundlicher wird. Zudem müssen sich Städte mit den Auswirkungen des Klimawandels auseinandersetzen. Hitzewellen und Starkregen setzen Busse, Straßenbahnen, Züge und Bahnhöfe stark unter Druck. Verkehrsbetriebe benötigen daher Lösungen, die dafür sorgen, dass Menschen auch bei extremen Wetterbedingungen sicher und komfortabel von A nach B kommen. Gleichzeitig steht der Verkehrssektor unter dem Druck steigender Energiekosten und knapper Budgets. Innovation wird dabei zunehmend als Möglichkeit gesehen, sich anzupassen und weiterzumachen, statt als Bedrohung. Das ist echter Fortschritt: der Wandel von der Frage, was Technologie eines Tages leisten könnte, hin zur Frage, wie sie Städten und Betreibern helfen kann, den Menschen heute eine bessere und widerstandsfähigere Mobilität zu bieten. Und weil sich die Dinge so schnell entwickeln, ist es wichtig, dass sich das gesamte Ökosystem jedes Jahr trifft, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und sicherzustellen, dass gute Ideen von einer Stadt zur nächsten weitergegeben werden.