Neubau des Waisentunnels gestartet

Der rund 100 Jahre alte Waisentunnel wird durch einen Neubau ersetzt. Foto: Jürgen Heinrich

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am 13. Juli 2026 den Startschuss für die Erneuerung des Waisentunnels gegeben. Das Bauvorhaben gilt als Meilenstein für mehr Flexibilität und somit mehr Stabilität im Berliner U-Bahn-Netz.

Der Tunnel verbindet die U 5 mit dem übrigen Großprofilnetz – also den Linien U 6 bis U 9. Mit dem Neubau wird diese seit rund zehn Jahren unterbrochene Verbindung wiederhergestellt, die Werkstattbesuche und Fahrzeugeinsätze wieder flexibler macht. Vier Jahre nach Baubeginn sollen die ersten Züge durch den erneuerten Tunnel fahren. Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG: „Der Waisentunnel ist ein Schlüsselprojekt für das Berliner U-Bahnsystem. Was für Fahrgäste weitgehend unsichtbar bleibt, macht hinter den Kulissen einen großen Unterschied: Mit dem Neubau schaffen wir mehr Flexibilität im Netz und stärken die Stabilität des U-Bahn-Betriebs.“

Der rund 100 Jahre alte Waisentunnel verläuft vom U-Bahnhof Alexanderplatz unter der Littenstraße und der Spree bis zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Er ermöglicht damit eine direkte Verbindung zwischen der U5 und der U8 in beide Richtungen. Seit der Sperrung des Tunnels sind die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde und die Linie U 5 vom übrigen Netz getrennt. U-Bahnen müssen für Werkstattbesuche oder Einsätze auf anderen Linien deshalb aufwendig einzeln per Tieflader durch die Stadt transportiert werden. Mit der Fertigstellung des Neubaus entfallen diese Transporte. Werkstattkapazitäten können künftig besser genutzt und Fahrzeuge schneller im gesamten Großprofilnetz eingesetzt werden.

Ein Teil des Waisentunnels verläuft unter der Spree. Die besondere Herausforderung für die Fachleute der BVG und ihrer Projektgesellschaft besteht darin, den Ersatzneubau an gleicher Stelle zu errichten und gleichzeitig den Schiffsverkehr aufrechtzuerhalten. Dafür wird dieser Tunnelabschnitt zunächst mithilfe von Stahlbetonschotten vom übrigen U-Bahn-Netz getrennt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Anschließend wird das bestehende Bauwerk zurückgebaut. Der Ersatzneubau erfolgt dann in mehreren Bauphasen. Für den Neubau werden zuerst auf der südlichen Spreeseite Spundwände und eine Sohlplatte eingebracht, bevor die Baugrube ausgepumpt wird. So können die Bautrupps den ersten Abschnitt des neuen Tunnels errichten. Anschließend wird die Baugrube wieder geflutet und eine weitere Spundwandkonstruktion auf der nördlichen Spreeseite eingerichtet. Dort wiederholen sich die gleichen Arbeitsschritte. Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein vollständig neuer Tunnel. (mab)

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