Neue Fragen zu Stadtbahn-Außenlinie

Die Bahnsteige der fünf Stadtbahn-Haltestellen auf dem Gebiet des Landkreises Hildesheim sind noch klassisch auf Straßenbahn-Niveau und müssen umgebaut werden. Foto: Achim Uhlenhut
Ab 1899 fuhr Hannovers Straßenbahn südwärts bis in die Nachbarstadt Hildesheim. 1958 wurde die Strecke bis Sarstedt verkürzt, 1972 die schon beschlossene weitere Verkürzung durch Bürger- und Bürgermeisteraktionen verhindert. Der aktuelle Vertrag zwischen Region Hannover und Kreis Hildesheim läuft jedoch Ende 2027 aus, verhandelt wird im Geheimen. Der genaue Stand der Dinge ist unklar. Nun engagieren sich Fahrgäste für „ihre“ Stadtbahn. Jüngst luden Mitglieder des Sozialverbands Deutschland zur Stadtbahnfahrt am südlichen Ende der Linie 1 ein. Mehr als 50 Interessierte nahmen teil, interessiert am Weiterbetrieb und an der damit zwingend verbundenen Errichtung von Hochbahnsteigen an den fünf Haltestellen außerhalb der Region Hannover. Für deren Bau gibt es Vorplanungen, aber keine Finanzierung, was ebenso für den Betrieb der Bahnen ab 2028 gilt. Die – behördlich genehmigte – Aktion der nach eigenem Bekunden regelmäßigen Fahrgäste war keine Demonstration, sondern als „stiller Protest“ angekündigt. Es ging den zumeist älteren Fahrgästen darum, zu betonen, dass sie auf die Bahnverbindung zwischen den Orten angewiesen sind – und das künftig mit barrierefreiem Zugang. Man wolle die Politik wachrütteln, hieß es, eine größere Aktion werde folgen. Sarstedts Bürgermeisterin zeigte sich erfreut, dass Bürger Zeichen setzen.
Hinter den Kulissen von Politik und Verwaltungen ist nach Medienberichten die Lage weiter kompliziert, die Verhandlungen werden als „zäh“ bezeichnet. Bürgerinformationen gab es noch nicht, das soll sich erst ändern, wenn ein abgestimmter Vertragsentwurf vorliegt. Die Region will den Betrieb auf den Kilometern jenseits ihrer Grenze nicht weiter finanzieren, auch nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Haltestellenausbau. Noch kein Konsens besteht offenbar darüber, in welchem Umfang der Kreis Hildesheim kommende Kosten trägt und wie sich die Stadt Sarstedt wiederum daran beteiligt. Beide sind grundsätzlich bereit, doch gab es unter anderem Widerstände aus dem Hildesheimer Südkreis um Alfeld, da dortige Bürger nicht profitieren. Zudem wolle die Region zwar weniger – idealerweise nichts – für den Betrieb auf dem betroffenen Streckenabschnitt zahlen, beanspruche jedoch die Aufgabenträgerschaft. Diese liegt auf dem Südast demnach bislang beim Kreis Hildesheim. Würde er diese Rolle abgeben, dürfte er offenbar weder Gelder für den Bau der Hochbahnsteige bereitstellen noch Landeszuschüsse beantragen. Wenn Klarheit geschaffen werde, so müsse diese für Jahrzehnte wirken, hieß es weiter: Allein die Hochbahnsteige kosten einen zweistelligen Millionenbetrag. (ht)