Ausfall bei S-Bahn Hannover

Fahrgäste sollen auf die RE10 ausweichen, die aus ein bis drei Dieseltriebwagen mit je zwei Wagenteilen besteht. Eine S-Bahn aus zwei Flirt3XL (Bild) hat sechs Wagen. Foto: Achim Uhlenhut
Das gesamte Kalenderjahr 2027 sollen keine S-Bahnen zwischen Hannover und Hildesheim über Hannover-Messe/Laatzen verkehren. Das hat laut Medienberichten die DB InfraGO verfügt. Die Aufgabenträger, Region Hannover und Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen, hätten „kein Mitspracherecht bezüglich des Ausfalls“ gehabt, wird ein Regionssprecher zitiert. S-Bahn-Betreiber Transdev gab sich von der Verfügung überrascht. Die trotz starker Nachfrage von häufigen Ausfällen und zu kurzen Zügen gekennzeichnete städteverbindende Linie S4 soll nun vom 1. Januar bis 31. Dezember 2027 an allen Tagen entfallen, nach anderen Quellen von Fahrplanwechsel bis Fahrplanwechsel. Betroffen ist hier demnach auch der auf allen Linien von Stadtbahn und S-Bahn Hannover angebotene Nachtverkehr.
Grund für den Ausfall ist die am 2. Oktober 2026 begonnene General- oder auch Korridorsanierung der DB-Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin zwischen Lehrte und Spandau. Die für den Fernverkehr als Ersatz vorgesehene so genannte Lehrter Stammbahn ist noch immer nicht elektrifiziert, derzeit gesperrt und wird möglicherweise erst zum Ende der Korridorsanierung fertig. Der Fernverkehr wird daher bei doppelter Fahrzeit über Peine, Braunschweig und Magdeburg umgeleitet, womit diese Strecke überlastet ist. Zudem ist eine Kanalbrücke bei Peine derzeit nur eingleisig befahrbar, sodass der Güter- und teilweise auch der Fernverkehr von Hannover nach Braunschweig über Hildesheim geleitet werden soll. Hier gibt es ebenfalls einen eingleisigen Abschnitt – die somit „störende“ S-Bahn soll weichen. Ein Bus- Ersatzverkehr ist wegen etwa dreifacher Fahrzeit nicht vorgesehen.
Fahrgäste sollen auf den auf derselben Strecke verkehrenden Regionalexpress RE10 (Hannover–Hildesheim–Goslar–Bad Harzburg) ausweichen. Der besteht aus ein bis drei Dieseltriebwagen mit jeweils zwei Wagenteilen, eine S-Bahn aus zwei Flirt3XL hingegen hat sechs Wagen. Zudem ist der RE10 eine der anfälligsten Verbindungen in ganz Niedersachsen und fällt häufig über Stunden, in den Tagesrandlagen oder auch mehrere Wochen aus. Während des S-Bahn-Ausfalles soll der RE10 an allen Unterwegshaltestellen der S4 stoppen, was seine Pünktlichkeit nicht steigern dürfte. Als weitere Alternative wird die S3 zwischen Hannover und Hildesheim benannt – die allerdings eine andere Strecke über Lehrte fährt und zuletzt auch oft mehrere Wochen lang ausfiel. Wegen der Führung über Lehrte ist aber ohnehin noch unklar, wie sich Korridorsanierung und Umleitungen dort auf die S3 auswirken werden. (ht)