Start, Probleme und Fortschritte

Eine HAVAG-Sprecherin relativierte gegenüber der NaNa die Berichte über technische Probleme mit den neuen Trams. Foto: HAVAG

In Gera ist die erste von neun neuen Tina-Straßenbahnen des Herstellers Stadler am 27. August 2026 in Betrieb gegangen. In weiteren Städten sind Verkehrsbetriebe und Hersteller bei ähnlichen Fahrzeugen noch in der Fehlerbehebung.

Rund 49 Mio Euro investiere die Verkehrs- und Betriebsgesellschaft Gera (GVB) in die neue Tramgeneration, informierte Geschäftsführer Thorsten Rühle. Der Freistaat Thüringen steuerte für die Beschaffung 24,9 Mio Euro bei. Davon entfallen rund 17 Mio Euro auf die sechs Fahrzeuge der Basisbestellung, kofinanziert aus Brüssel, sowie rund 7,85 Mio Euro aus Landesmitteln auf drei Optionsfahrzeuge. Die Stadt Gera beteiligt sich mit 13,5 Mio Euro, davon 7,2 Mio Euro für die Basisbestellung und 6,28 Mio Euro für die Optionsfahrzeuge. Die verbleibenden Eigenmittel werden gemeinsam mit Deutsche Leasing und Sparkasse Gera-Greiz aufgebracht.

Mit der Inbetriebnahme ersetzt die GVB schrittweise die bisherigen nicht barrierefreien Tatra-Straßenbahnen. Sobald ausreichend lange Fahrzeuge insbesondere für die Linie 3 zur Verfügung stehen, soll 2027 der ganztägige 7,5-Minuten-Takt eingeführt werden.

Die Tests mit der ersten Tina 601 sind offenbar reibungslos verlaufen. Statt der im Juli angekündigten rund achtwöchigen Testphase konnte die Bahn nun schon nach gut vier Wochen in Betrieb gehen.

Probleme in Halle

Komplizierter verläuft die finale Indienststellung neuer Tina-Trams in Halle. Die Hallesche Verkehrs AG (HAVAG) nehme vorerst keine weiteren Bahnen von Stadler mehr in den regulären Betrieb, bevor nicht die „technischen Voraussetzungen für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb erfüllt sind“, bestätigte eine HAVAG-Sprecherin lokale Medienberichte gegenüber der NaNa. Dass bereits ausgelieferte Tina-Fahrzeuge grundsätzlich ins Herstellerwerk zurückgegeben würden, wies sie aber zurück.

Ob bei einzelnen Fahrzeugen Nachbesserungen beim Hersteller nötig seien, werde „auf Grundlage der technischen Erkenntnisse gemeinsam mit Stadler entschieden“. Bislang liefen alle Optimierungs- und Einstellungsarbeiten auf dem Betriebshof der HAVAG, so die Sprecherin.

Hintergrund sind Berichte, dass die neuen, seit September 2025 in Halle fahrenden Trams technische Probleme haben. Genannt wurden unter anderem unerwünschte Vibrationen. Die Sprecherin relativierte dies. Die HAVAG befinde sich nach wie vor im Inbetriebnahme-Prozess der Tina- Fahrzeuge. „Dass in dieser Phase der Tina-Einführung vereinzelte Fehler auftreten, ist normal“, gab die Sprecherin an. Gemeinsam mit Stadler werde „kontinuierlich an der Optimierung der Fahrzeuge“ gearbeitet. Flankiert würden die fahrzeugseitigen Maßnahmen durch „planmäßige Pflege- und Instandhaltungsmaßnahmen an der Gleisinfrastruktur“ durch die HAVAG.

Bis weitere Tina-Fahrzeuge – nach Abschluss der Abhilfemaßnahmen – in den regulären Einsatz überführt würden, blieben die vorhandenen älteren Straßenbahnen im Einsatz.

Fortschritt in Darmstadt

Auch die HEAG mobilo aus Darmstadt und Stadler hatten seit Juni 2026 Untersuchungen zu dort ebenfalls aufgetretenen Erschütterungen entlang ausgewählter Streckenabschnitte des Darmstädter Straßenbahnnetzes fortgesetzt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, welchen Einfluss eine weiterentwickelte Radmodifikation auf die von den Tina-Fahrzeugen ausgehenden Erschütterungen hat. Dafür wurde ein technisch angepasstes Fahrzeug unter realen Betriebsbedingungen mit einem Serienfahrzeug verglichen. Dabei wurde eine gegenüber früheren Tests weiter reduzierte Radsteifigkeit untersucht.

Die Ergebnisse zeigen nun, dass die getestete Radmodifikation die Erschütterungen an einzelnen Standorten wie Kranichstein und Arheilgen weiter reduzieren kann. Die modifizierten Räder führten dort zu einer Verringerung der gemessenen Erschütterungen um drei bis zehn Prozent gegenüber dem Serienfahrzeug. An den ebenfalls untersuchten Standorten in Eberstadt und Seeheim-Jugenheim ergab sich kein klares Bild. Dort fiel die Wirkung der getesteten Radmodifikation je nach Messort und Fahrtrichtung uneinheitlich aus.

Stadler werde auf Grundlage der Ergebnisse zwei technische Ansätze weiterverfolgen: Eine nochmals weichere Ausführung der Radreifen soll die Übertragung von Erschütterungen weiter reduzieren. Zudem hat der Hersteller eine weitere technische sogenannte Bedämpfungseinrichtung im Bereich des Fahrwerks entwickelt. Beide Lösungen werden derzeit bei einem weiteren Stadler-Kunden in Basel getestet. Bis Jahresende soll dann erneut ein modifizierter Tina-Prototyp in Darmstadt rollen. (dhe/jb)

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