Knöllchen-Kameras auch für Trams

Beweisfotos per aktivem Knopfdruck im Cockpit werden nur ausgelöst, wenn der Betriebsablauf auch gestört ist. An der Bildqualität will Traffiq laut Chef Tom Reinold noch arbeiten. Foto: Traffiq
„Die Frontkameras sind äußerst wirkungsvoll“, resümierte Tom Reinhold, Chef der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft. Verbleibende „technische Herausforderungen“ würden „nach und nach gelöst, beispielsweise die Bildqualität verbessert und das Personal für den optimalen Einsatz der Kameras gezielt geschult“. Nach 36 Anzeigen im Februar, 82 im März und 133 im April, seien es im Mai bereits 170 Anzeigen gewesen.
Gestartet war der Kamera-Pilotbetrieb im Februar mit zehn Bussen. Die Fahrerin oder der Fahrer können dabei Beweisfotos „mit einem simplen Knopfdruck im Cockpit auslösen“, konkretisierte ein Traffiq-Sprecher gegenüber der NaNa. Dies geschehe nur, wenn der Betriebsablauf auch gestört sei. Mit jeder Aufnahme würden zugleich Metadaten wie Standort und Zeitpunkt erzeugt. Sobald der Bus wieder in den Betriebshof einfahre, sende das System die Bilder samt Daten automatisch an Traffiq.
Zwar müssten die Aufnahmen bei Traffiq noch gesichtet und etwa unbeteiligte Personen unkenntlich gemacht werden. „Das kann nicht automatisiert erfolgen, da jeder Tatvorwurf individuell zu bearbeiten ist“, so der Sprecher. Für die Übermittlung der ahndungsfähigen Vorgänge an die Bußgeldstelle sei aber eigens in Abstimmung mit dem Ordnungsamt ein Eingabeportal entwickelt und die Kooperation auch mit den Verkehrsunternehmen „so effizient wie möglich gestaltet worden – mit dem Ziel, alle eingereichten Vorgänge bearbeiten zu können“.
Die einmaligen Kosten für das Aufsetzen des Projekts bezifferte der Sprecher mit einem Betrag „im unteren fünfstelligen Bereich“. Je Kamera einschließlich Installation fielen Kosten von rund 1500 Euro an. Als dauerhafte Kosten kämen „geringe Lizenzgebühren“ hinzu sowie ab Juli 2026 Aufwendungen für einen Dienstleister für die Auswertung des Bildmaterials.
Der Pilotbetrieb werde dabei aus dem ÖPNV-Budget und nicht etwa aus einem ordnungsbehördlichen Etat finanziert, bestätigte der Sprecher. Das rechtfertige sich daraus, dass der Einsatz der Frontkameras der Entlastung des Fahrpersonals beziehungsweise dem Ziel eines störungsärmeren ÖPNV diene. Eine Verschiebung von Ordnungsaufgaben hin zur Traffiq sieht beziehungsweise befürchtet der Sprecher nicht. Die Bearbeitung von Falschparker-Anzeigen direkt aus Linienbussen sei durch das Frontkameraprojekt überhaupt erst möglich geworden – und verursache „zwangsläufig zusätzliche Arbeit für die Bußgeldstelle“.
Nach den anfänglich je fünf Bussen der Verkehrsunternehmen In-der-City-Bus (ICB) und DB Regio Mitte (DBRM) sollen demnächst „mindestens zehn weitere“ hinzukommen. Zudem würden im nächsten Schritt im Laufe des Jahres auch fünf Straßenbahnen der VGF für einen Pilotbetrieb mit Frontkameras ausgestattet. Gerade dort sei, da Trams den Falschparkern nicht ausweichen könnten, der Einsatz der Technik dringlich. (dhe)