Im Stadtverkehr unterwegs

Der automatisierte Lion’s City 12 E fährt auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl. Foto: MAN Truck & Bus

Im Forschungsprojekt MINGA haben MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unter der Konsortialführung des Mobilitätsreferats einen Meilenstein erreicht. Seit Anfang September 2026 ist der automatisierte MAN Lion’s City 12 E erstmals auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs.

Damit ist der 12 m lange Stadtbus, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, erstmals für die Öffentlichkeit im Stadtverkehr sichtbar. Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrerinnen und Testfahrern von MAN und MVG begleitet. In den kommenden Wochen werden Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann.

Sinaida Cordes, Prokuristin der SWM und MVG: „Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt sind für die MVG als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von großer Bedeutung. Sie helfen uns, die Einsatzmöglichkeiten autonomer Busse im öffentlichen Nahverkehr besser zu verstehen und deren Potenzial für Fahrgäste und Betrieb zu bewerten.“ Langfristig sehe man in autonomen Fahrzeugen die Chance, den ÖPNV attraktiver, flexibler und effizienter zu gestalten. „Die Linie 178 bietet ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereint unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebieten und Unterführungen. Damit ist das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut repräsentiert. Für den perspektivischen Linienbetrieb ist es von großer Bedeutung, die Tests möglichst praxisnah durchzuführen“, ergänzt Veit Bodenschatz, Bus-Chef bei SWM und MVG.

Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. Dafür erfasst das Fahrzeug mit Sensorik die Umgebung: Der Bus ist mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte), die eine präzise Lokalisierung entlang der Route ermöglicht. Dies bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Dem Münchner Hersteller ist dabei ein „vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten“ wichtig. Denn neben der technischen Reife gehe es auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.

Voraussichtlich ab November 2026 startet eine weitere Phase mit Testnutzerinnen und Testnutzern entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. Der Bus verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhl- beziehungsweise Kinderwagenplatz. (mab)

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