Vorstoß zur Förderung von nachhaltigem Flugzeugtreibstoff
Deutschland, Österreich und Luxemburg wollen in der EU die ersten kommerziellen Doppelauktionen zur Förderung von synthetischen nachhaltigen Flugzeugtreibstoffen (eSAF) auf den Weg bringen. Das gaben die Verkehrsminister der drei Länder am Montag am Rande des informellen EU-Verkehrsministerrates in Dublin bekannt. Bisher gibt es lediglich Pilotprojekte für solche durch staatliche Gelder unterstützte Auktionen, mit denen Investoren die Entscheidung zum Bau von eSAF-Produktionsanlagen erleichtert werden soll.
„Wir haben lange genug über Pilotprojekte gesprochen und über die Forschung, jetzt muss es konkret in die Umsetzung gehen“, sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). „Wir bündeln unsere Fördermittel und schaffen damit bessere Bedingungen für Investitionsentscheidungen in eine Zukunftstechnologie“.
Bei Doppelauktionen (Double Sided Auctions) puffert ein möglicherweise staatlicher Intermediär die derzeit hohen wirtschaftlichen Risiken für Hersteller nachhaltiger Flugzeug- und Schiffstreibstoffe ab. Das Förderinstrument ist ein zentrales Element des Sustainable Transport Investment Plan (STIP) der EU-Kommission vom November 2025.
Im Kern geht es dabei darum, dass der Intermediär mit Produzenten, die den günstigsten Preis anbieten, langfristige Lieferverträge schließt. Die Kosten dafür versucht er über kurzfristige Verträge mit Abnehmern zu decken, die den höchsten Preis bieten. Eventuelle Verluste fängt der Intermediär teilweise auf. Dadurch sollen private Geldgeber motiviert werden, in die Produktion zu investieren.
Deutschland stellt für die Auktionen bis zu 2 Milliarden Euro bereit, Österreich und Luxemburg jeweils bis zu 60 Millionen Euro, teilte das Bundesverkehrsministerium (BMV) mit. Die Marktkonsultation zum geplanten deutschen Fördermechanismus sei inzwischen abgeschlossen, und habe Interesse der Wirtschaft an eSAF in Deutschland und darüber hinaus gezeigt.
Die Konsultation war eine Voraussetzung für die beihilferechtliche Genehmigung der Auktionen, an denen die EU-Kommission derzeit arbeitet. Angestrebt wird, später einmal EU-weite Auktionen zu starten.
Durch eSAF-Produktion in Europa solle der Luftverkehr umweltverträglicher gemacht, aber auch mehr Unabhängigkeit bei Energie- und Lieferketten erreicht werden, sagte Bilger. Aus demselben Grund sei es auch sinnvoll, dem Treibstoff in der EU mehr Biokraftstoffe beizumischen. „Hier sollten wir darüber ins Gespräch kommen, wie wir die Beimischung von Biokraftstoffen in Europa zügig erhöhen können“, sagte Bilger in Dublin.
Das BMV teilte der DVZ auf Nachfrage mit, es setze sich für eine schnellstmögliche EU-weite Einführung von E20-Kraftstoff ein, „um damit auch für die Fahrzeuge mit Ottokraftstoffen einen höheren erneuerbaren Anteil zu ermöglichen“.
Dafür müsste die Kraftstoffqualitätsrichtlinie (98/70 EG) geändert werden. Bisher sind in der EU maximal 10 Prozent Bioethanol im Benzin zugelassen (E10). Im April hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einigen CDU-Europaabgeordneten, die für E20 geworben hatten, zugesagt, die Zulassung prüfen zu wollen. Bislang wurde aber noch keine entsprechende Gesetzesinitiative angekündigt.
Der Übergang zu klimafreundlicheren Antrieben und Treibstoffen wurde von vielen Ministern als Weg bezeichnet, sich langfristig vor Energiepreisschocks zu schützen. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas sagte, im Straßenverkehr müsse die Elektrifizierung beschleunigt werden. Im Luft- und Seeverkehr habe die EU Vorgaben gemacht, die Produktion sowie Nutzung fördern sollten. „Die Abkehr von fossilen Treibstoffen muss für die EU eine Priorität sein und das ist sie auch“. Wenn alle Mitgliedstaaten zusammenarbeiteten, sei das Ziel in Reichweite.
In der Ministerrunde gab es dem Vernehmen nach einen großen Konsens, die Nutzung von Öl und Gas rasch zu verringern und alternative Treibstoffe zu entwickeln. Einige Ländervertreter wiesen darauf hin, dass die Elektrifizierung im Güterverkehr ihre Grenzen habe.
Die EU müsse auch bereit sein, kurzfristig etwas zu tun, um etwa die Transportwirtschaft gegen die hohen Energiepreise zu schützen, sagte Tzitzikostas. Derzeit verschlechtere sich die geopolitische Lage eher. „Die Kerosinmärkte sind angespannt und wir sehen wieder das Risiko von Engpässen. Die Situation rund um die Straße von Hormus bleibt weiter sehr besorgniserregend. Im Luftverkehr gibt es in Nahost und den Golfstaaten einige Einschränkungen, die Lage bleibt also weiter sehr volatil“, sagte Tzitzikostas. Falls sich die Situation weiter verschlechtere, wolle er ein außerordentliches Ministertreffen einberufen, um über die dringendsten Schritte zu reden. Im Rat wurde dieser Plan begrüßt.
Derzeit sei der Zeitpunkt für einen Sonderrat noch nicht gekommen und „es wäre nicht angemessen, heute etwas anzukündigen“, sagte der Kommissar auf die Frage der DVZ, was die EU kurzfristig tun könne. Die Kommission beschäftige sich in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten „mit allen möglichen Szenarien“.
Derzeit werde die Richtlinie für Ölreserven überarbeitet. Dabei sollen Lehren aus der Krise im Nahen Osten gezogen und der Rechtsrahmen modernisiert und an die neue Landschaft der Energieträger angepasst werden. „Der Gesetzesvorschlag wird in den kommenden Monaten im Rahmen eines Paketes für Energiesicherheit vorgelegt“, kündigte Tzitzikostas an. (fh/sl)