Sorgen im Busmittelstand wegen Fortschritten beim autonomen Fahren

Junge Führungskräfte, die im Begriff sind, die elterlichen Betriebe zu übernehmen, diskutierten auf der Bus2Bus in Berlin die Herausforderungen für ihr Geschäft. Befürchtet wird unter anderem, den Anschluss an Kommunen zu verlieren, die autonomes Fahren vorantreiben.

Bei einer Panel-Diskussion sprachen junge Busunternehmer über die Zukunft der Branche. "Für mich war der Transformationsdruck der Reiz, ins Unternehmen einzusteigen“, sagte Anne Schweizer, Prokuristin bei Schweizer Reisen aus Waldachtal im Nordschwarzwald. „Dass wir immer komplexere Anforderungen gegenüberstehen, genau dieser Wandel in der Branche bringt für uns als nächste Generation eine große Chance mit sich.“ Es gehe dabei darum, „nicht alles neu, nicht alles anders“ zu machen, sondern das in rund 100 Jahren gewachsene Firmenfundament „zukunftsfähig“ weiterzuentwickeln.

Maximilian Artner, Geschäftsführer der Busservice Watzinger, indes betonte die „sehr großen Herausforderungen, die auf uns in den nächsten Jahren
zukommen“. Das autonome Fahren nannte er als wichtigstes Beispiel. In München gebe es das Projekt Minga mit einem Budget von rund 17 Millionen Euro. „Das können wir als Mittelständler, auch wenn wir Förderungen bekommen, nicht darstellen, aus finanzieller und organisatorischer Sicht.“

Artner beklagte demzufolge ein ungleiches Rennen zwischen dem Mittelstand einerseits und Kommunen beziehungsweise Tech-Konzernen andererseits. Großbetriebe forschten seit Jahren an Konzepten zu den neuen Themen im Zuge der Technologiesprünge. Bei kleineren Anbietern – zu denen der Watzinger-Geschäftsführer auch das eigene Unternehmen zählt – herrsche häufig kein vergleichbarer Wissensstand mehr. „Ich frage mich, wie wir das noch aufholen können“, mahnte Artner.

Offen sei, wo der Mittelstand gegenüber den Kommunen künftig noch die Nase vorn haben könne. Bei der Ausstattung von Betriebshof, Fahrzeugen und deren Kostenstrukturen unterscheide man sich immer weniger. „Wir sind gut im Personal, doch wenn dieser Punkt wegfällt, dann habe ich
Sorge, dass wir als private Unternehmen nicht mehr gebraucht werden und vor allem kleine Unternehmen auf der Strecke bleiben.“

Artner will sich nicht darauf verlassen, dass private Busunternehmen AV-Dienstleistungen einfach bei Dritten, neuartigen Spezialisten zum Beispiel oder Großflottenanbietern, einkaufen könnten, um in dem neuen Geschäftsfeld mitzumischen. Es stelle sich dann die Frage, warum ein solcher Anbieter das Geschäft nicht selbst mache. Mobilität werde von Seiten der Aufgabenträger bzw. der Besteller künftig vermutlich nicht mehr Dienstleistungs-, sondern Technologieunternehmen zugeordnet. Hier sieht er die Mittelständler in der Pflicht, „sich zu positionieren und eine Daseinsberechtigung zu schaffen, die uns am Leben hält“. Eine Lösung könne in stärkerer Zusammenarbeit liegen. Anders als die Vorgängergeneration, bei der er weniger Austausch wahrgenommen habe, nutze seine Generation „Veranstaltungen wie die Bus2Bus und Next-Generation-Formate, um an einem Strang zu ziehen. Das nehme ich deutlich wahr.“

Anne Schweizer hält die Problematik der technologischen Umwälzungen insbesondere durch autonomes Fahren ebenfalls für relevant, aber zumindest im ländlichen Raum noch nicht ganz so akut. „Es ist eine Frage der Umsetzbarkeit“, betonte sie und verwies auf Besonderheiten bei Fahrzeiten oder die im letzten Winter wieder zutage getretenen Probleme mit Schnee und Eis. „Natürlich ist es eine Traumvorstellung, dass wir Wagen haben, die sich abkoppeln und ankoppeln können“, so Schweizer. „Ich glaube nur, dass das noch sehr weite Zukunftsmusik ist.“ (nana)

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