Für einen besseren ÖPNV

Prof. Meike Jipp (v. l.), Bereichsvorständin für Energie und Verkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Knut Ringat, Vizepräsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV), Frederik Ley, Vorstand Straße DB Regio, und Thomas Dreves, Leiter autonomes Fahren bei DB Regio Straße, stellten die Studienergebnisse vor; Foto: DB AG/Dominic Dupont

Autonomes Fahren wird kommen. Die Technologie und die Gesetze für die Anwendung im ÖPNV sind da.” Das stellte Frederik Ley, Vorstand Straße der DB Regio, bei der Präsentation einer von DB Regio beauftragten Studie fest, die das Software- und Verkehrsplanungs-Unternehmen ioki, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Prognos AG erstellt haben.

Die Studie sollte klären, wie die mit autonomem Fahren einhergehende Veränderung der Mobilität möglichst nutzbringend für die Gesellschaft implementiert werden könnte. Die Erhebung setzt darauf, die Technologie so zu gestalten, dass ein integriertes Verkehrssystem entsteht, anstelle einer ungeregelten Ausbreitung der Technologie. Verglichen wurden drei Szenarien. Der Basis-Ansatz etwa, das derzeitige ÖPNV-Angebot „nur“ zu automatisieren, würde deutschlandweit den Modal-Split-Anteil des öffentlichen Verkehrs lediglich von 15 auf 18 Prozent im Jahr 2045 steigern. Mit dem Ansatz wären die derzeitigen „Unzulänglichkeiten“ auf dem Land nicht zu beheben. Würde dieses Basis-Szenario um Robotaxis ergänzt, würde eine Zunahme des Straßenverkehrs um rund 40 Prozent befürchtet, da dann in der Stadt auch kurze Wege im Robotaxi zurückgelegt würden, während sich das privatwirtschaftlich organisierte Robotaxi auf dem Land gar nicht lohne.

Die Hoffnung ruht daher auf einem Daseinsvorsorge-Szenario, in dem das konventionelle (und schrittweise ebenfalls zu automatisierende) Bus- und Bahnangebot auf die Hauptachsen (inklusive dem geplanten Schienenausbau) konzentriert und von Robotaxis ergänzt wird, die im Regelfall nur eine Zubringerfunktion zu den Hauptachsen einnehmen sollten. Auf dem Land würde dies die bisher mehr als doppelt so langen Reisezeiten gegenüber dem Auto massiv verkürzen. Die Rede war von einer ÖPNV-Bedienung in „U-Bahn-Qualität“ mit Wartezeiten von maximal fünf bis 13 Minuten anstelle der dort oft noch üblichen drei Fahrten des Schülerverkehrs. Mit so einem „Quantensprung“ könnte der Modal-Split-Anteil insgesamt auf 35 Prozent ansteigen. Dafür müssten allerdings die aktuell rund 70.000 Busse durch rund 1 Mio kleinere Fahrzeuge ersetzt werden. Der Anteil des Autos würde dennoch auch 2045 noch über 50 Prozent liegen.

Finanzieren sollen die von derzeit 37 Mrd Euro auf künftig 101 Mrd Euro steigenden Gesamtkosten vor allem die Nutzer, sodass die öffentlichen Zuschüsse von 24 auf 19 Mrd Euro sinken sollen. Errechnet wurde ein künftiger Preis für ein Deutschlandticket von 100 Euro. Die ÖPNV-Branche hofft, so die Kosten für die öffentliche Hand zu reduzieren und dennoch die Attraktivität des Angebots stark erhöhen zu können. Zur baldigen Umsetzung will man den Bund von einem langjährigen Forschungsprojekt mit drei bis fünf großen Modellregionen überzeugen. (FM)

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