Alternativen zum Auto stärken

Laut Allianz pro Schiene und Zukunft Fahrrad fehlen derzeit mehr als 1 Mio Stellplätze für Fahrräder an Bahnhöfen; Foto: DB AG/Christian Bedeschinski

Wegen des 49-Euro-Tickets rechnen Branchenverbände mit einem Boom im öffentlichen Nahverkehr. Dabei gelte es, das Fahrrad als klimafreundlichen Zubringer zur Bahn gegenüber dem Auto zu stärken.

Bereits derzeit fehlten allerdings mehr als 1 Mio Stellplätze für Fahrräder an Bahnhöfen. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, heißt es von Zukunft Fahrrad und Allianz pro Schiene. Zu teuer, zu kompliziert, zu viele Ansprechpartner – für Kommunen könne es bislang sehr umständlich sein, eine Abstellanlage oder ein Fahrradparkhaus zu bauen. Am Bahnhof Eberswalde wurde im November 2021 ein neues Fahrradparkhaus eröffnet. Die Allianz hat es jüngst mit dem Deutschen Verkehrswendepreis ausgezeichnet.

Silke Leuschner, Leiterin des Stadtentwicklungsamts Eberswalde: „Wir haben damit auf einen Schlag mehr als 600 Fahrradparkplätze geschaffen, damit Pendlerinnen und Pendler die Wege zum oder vom Bahnhof mit Rad statt Auto zurücklegen können. Das war eine Mammutaufgabe, und wir geben unser Wissen immer wieder an andere Kommunen weiter. Für andere wäre das eine große Hilfe, wenn es einen zentralen Ansprechpartner oder eine zentrale Ansprechpartnerin auf Landesebene gäbe.“ Die meisten Kommunen bauten nur einmal eine Abstellanlage oder ein großes Fahrradparkhaus und würden dann jedes Mal von vorne anfangen, sich durch einen Dschungel an Kompetenzen und Zuständigkeiten zu schlagen, erklärt Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege. „Hier sind die Landesregierungen gefordert, einen Masterplan für Rad und Bahn zu entwickeln, um den Bau von Fahrradparkhäusern zu vereinfachen und zu beschleunigen.“ Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein habe dafür bereits 2015 ein Modell etabliert, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg 2021 die Vernetzungsstelle Bike+Ride geschaffen.

Seit 2018 ist die Allianz im Dialog mit Kommunen und Verbänden zum Thema Fahrradparken. Dabei habe sich gezeigt, dass es auch Klarheit bei der Finanzierung von Fahrradparkhäusern und Abstellanlagen braucht. Allein für die 1 Mio nötigen Fahrradstellplätze an Bahnhöfen werden laut Berechnungen der Brancheninitiative Fahrrad und Bahnen bis 2030 insgesamt rund 6,7 Mrd Euro für Bau und Betrieb benötigt. Diese Summe müsse von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam gestemmt werden. „Bisher ist nicht absehbar, dass diese Finanzierung sichergestellt wird“, kritisiert der Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad, Wasilis von Rauch. „Denn auch wenn für das Jahr 2023 im Vergleich zum ursprünglichen Haushaltsentwurf nochmal aufgestockt wurde, so stehen doch allein im Programm ,Stadt und Land‘ rund 250 Mio Euro weniger zur Verfügung als in diesem Jahr.“ Neben Finanzierung und Ausbau der Abstellanlagen seien weitere Maßnahmen nötig, damit Mobilität mit Bahn und Rad erleichtert wird: Planung, Reservierung und der Kauf von Tickets für Radfahrende müssten möglichst einfach, digital und bundesweit einheitlich möglich sein. Das gelte sowohl für die Fahrradmitnahme als auch für Fahrradparken an Bahnhöfen oder die Buchung des Sharing-Bikes für die letzte Meile. (mab)

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